Stuttgart Schwarz : Es ist Euere erste grosse Mammut-Tour seit Eueren Erfolgen damals. Was ist das für ein Gefühl für Euch nach all den Jahren ?
Markus : Es ist natürlich wunderbar, vor allem auf den grossen Bühnen. Wir haben seither eher kleinere Geschichten gemacht und wenn das Publikum wie heute so mit geht, ist es einfach herrlich. Wir haben uns vor der Tour überlegt, ob das auch wohl alles so klappen wird und ob die Bühnenkostüme alle noch passen. Es klappt alles und wir freuen uns auf die noch folgenden Konzerte und vielleicht machen wir sogar im Herbst noch weiter.
Frl. Menke : Ich muss Dir leider widersprechen, Jolly., wir touren eigentlich recht regelmäßig in dieser Konstellation zusammen, machen einzelne events wie z.B. den „Hessentag“ vor 30.000 Leuten, den es schon viermal gab. Oder 2005 die NDW-Sommertour. Mein Freund sagt immer : „Baby – mach’s noch einmal“ – und ich mach es dann auch immer noch einmal.
Stuttgart Schwarz : Wann wurde Dir bewusst, dass Du nicht nur ein paar Erfolgssongs geschrieben hast, sondern mit der NDW ein Teil Deutscher Musikgeschichte in der Popkultur hier mitgeschrieben hast ?
Markus : (lacht) Vielen Dank für die Blumen, aber es sind ja auch nur songs. Es war eine sehr kreative Zeit. Viele Leute die nicht unbedingt ausgebildete Musiker waren hatten zum Erfolg auch keinen Zugang, zudem wussten wir nicht, was gerade eigentlich läuft, was jetzt als mainstream gewertet wird und was nicht. Viele Leute, die sonst im Underground verschwunden wären, haben Chancen bekommen, aber sie wurden plötzlich gespielt, auch in Radiostationen und im Fernsehen. Dies wurden dann zum Teil grosse Hits wie z.B. "Da Da Da" oder "Skandal im Sperrbezirk". Dies sind songs, welche bist heute überlebt haben und das Publikum immernoch begeistern, was man heute auch wieder gesehen hat.
Frl. Menke : Ich fühle mich nicht als Teil einer Geschichte, zu viel Ehre auf meinem Haupt. Ich habe meine Tantiemen auch sozial verteilt. Mein Vater war ja Produzent von „Truck Stop“ und hatte „Dieter Thomas Heck“ beim Autokauf entdeckt. Der bekam 1/3 und mein Produzent Harry Gutowski, damals Bassist bei Joachim Witt bekam auch 1/3 und 1/3 für mich. Man kann gut verteilen, wenn man noch keine Mark im Plus hat. Ich bin damit gut klar gekommen, hab nie „zu viel“ verdient. Ich hab mich so viel mit Rum bekleckert wie mein Kleid absorbiert und hab ein absolut reines Karma und ein gutes Gewissen. Es ist alles gut so wie es ist und Geld kommt sowieso von alleine
Stuttgart Schwarz : Habt ihr vor oder während der Tour Resonanzen von einstigen Mitstreitern der NDW zu dieser Tour erhalten ?
Markus : Ja, von dem einen oder anderen im Vorfeld. Wir haben mit Joachim Witt gesprochen, der sich auch sehr dafür interessiert hat, leider haben wir das zu spät bemerkt. Wir haben auch den einen oder anderen direkt darauf angesprochen, die aber zum Teil leider keine Zeit hatten oder sich nicht mehr zugetraut haben, so lange auf Tour zu gehen.
Frl. Menke : Das gute bei uns in der NDW ist : Wir halten immer gut zusammen. Wir haben klar erkannt, dass jeder füreinander da sind und alleine gar nichts sind. Es hätte gut sein können, dass wir auch Joachim Witt eingebunden hätten, dann hätten wir auch noch so eine krasse und dunkle Variante mit dabei gehabt. Es hat Gespräche gegeben und um ein Haar wäre er auch mitgekommen. Ich hätte mich gefreut, weil Joachim ist ein Freund der ersten Stunde. Gerade Joachims Sachen haben mir den Mut gegeben, auf jeden Fall was in deutscher Sprache zu machen.
Stuttgart Schwarz : Die Stars der NDW haben sich sehr unterschiedlich entwickelt. Während gerade z.B. Joachim Witt oder Nena noch sehr erfolgreich sind, erlebte Peter Behrends von Trio einen tiefen Fall...
Markus : Das kann man so nicht sagen, der ist durch seine Plakat-Aktion gerade wieder recht erfolgreich, der wird seine Schäflein wieder im Trockenen haben, denke ich.
Stuttgart Schwarz : Zwischendrinn ist er jedoch sehr abgesunken. Was hat Euch einerseits davor bewahrt, nicht abzustürzen, was wurde Euch andererseits aber verwehrt, nicht weiter wie früher erfolgreich zu bleiben ? Ihr seid die Mitte davon...
Markus : Nena war immer aussergewöhnlich, auch international. Was uns vor dem Absturz bewahrt hat..... das liegt einfach auch in jedem einzelnen Schicksal und im Gemüt, welches jemand hat. Ich komme aus einem kleinen Dorf im Taunus, wo man solche grossen Diskrepanzen nicht erwarten kann. Da gab es Punker, Popper, Mods und da waren alle ein bisschen etwas vom anderen. Bei mir hat das auch alle 14 Tage gewechselt, es blieb immer in einem kleinbürgerlichen Rahmen, vielleicht hat mich das vor einem Absturz auch bewahrt und mich auf der Erde gehalten.
Frl. Menke : Das hast du richtig erkannt, ich fühle mich auch so dazwischen. Ich wurde schnell danach Mutter, hab 1986 meine Alice geboren und 1989 den Ivo. Ich wollte nicht im nightlife abgehen. Ich hatte die Tendenz hier einfach durchzufeiern und ein paar Stoffe werden einem da auch unter die Nase gelegt. Davon hab ich mich nicht blenden lassen. Wenn ich irgendwie depri war, hab ich entweder Stevie Wonder gehört oder bin mit den Kindern in den Wildpark gefahren. Ich habe körperlich gearbeitet, bin seit zehn Jahren bei UPS. Das macht ich supergerne und es hat mir auch den Glauben an die Männer zurück gegeben. Ich habe da zwei ganz tolle Lebenspartner gefunden, einen Afrikaner und jetzt bin ich seit zwölf Jahren mit meinem Sven zusammen, der als Verlader in der Frühschicht arbeitet. Mein Rat für die Mädels : Sucht Euch Eueren Typen nicht in der Disco, sondern geht einfach mal in so ein Center und seht, wie Männer kraftvoll die Pakete verladen. Das kann sehr sexy sein.
Stuttgart Schwarz : Annette Humpe von Ideal möchte nicht mehr auftreten mit der Begründung, sie fühle sich zu alt dafür. Warum seht ihr das anders ?
Frl. Menke : Ich hab damals schon gesagt : Mit meinem Künstlernamen „Frl. Menke“ werde ich alt werden, ich werde Falten bekommen und das eine oder andere geplatzte Äderchen unter dem Auge. So wie Marita Röck. Also an meine Hand lasse ich nur Hormozenta (lacht). Die ewige Jugend ist auch ein Teil meines Auftrages.
Stuttgart Schwarz : Dennoch ward ihr früher eine lange, zehrende Tour wohl eher gewohnt. Geht ihr Euch nicht auf den Kranz bei so einer langen Tournee ?
Frl. Menke : Ich arbeite als Kurier. Ich laufe da morgens rein und sag „Guten Morgen“. Ich respektiere jeden und seine Laune an diesem Tag. Einer der Dir heute wie der Teufel vorkam kann morgen schon ein ganz lieber Vater sein. Es ist alles im Wandel, nicht so eine momentane Sache. Durch meinen Respekt vor den Menschen füge ich mich gut ein und bin auch gut drauf. Mal hat der eine einen Hänger, am anderen Tag der andere. Das muß man so nehmen und geht alles vorüber und vorbei. Hauptsache man geht einen positiven Weg. Das ist meine Lebensdevise.
Stuttgart Schwarz : Vielen Dank Euch, Markus und Franziska.
Die Interviews mit Markus und Frl. Menke wurden im Rahmen der "ich Will Spass Show" von DJ Jolly für Stuttgart-Schwarz geführt, vielen Dank.