Depeche Mode – Tour of the Universe (08.11.09, Stuttgart, Schleyerhalle)
Götter haben es manchmal nicht leicht. Vor allem dann nicht, wenn Sie ihr Reich der Mythologie verlassen und vom Olymp (sorry – Universe natürlich) kurzzeitig absteigen. Im Jahre 2009 nennen wir das „Tournee“ und Zeus (Dave Gahan), Apollon (Martin Lee Gore), sowie Halbgott Herakles (Andy Fletcher) gaben sich am 08.11.09 in der Stuttgarter Schleyerhalle einmal mehr ihr Stelldichein zur gepflegten „Ü-30-Massenp

arty“.
Die Götter erscheinen 2009 ihren Gläubigern nicht mehr unter Donnergrollen, Blitz und Rauch sondern betreten recht unspektakulär die Bühne. Leider kein Vergleich zu früheren Tourneen, als mit sehr grossem Aufwand die Spannung bis ins Unerträgliche stieg, bis die Vorhänge endlich fielen und das Spektakel begann. „In chains“ vom neuen Album „Sound of the Universe“ als opener war natürlich auch völlig ungeeignet, um die entmythifizierte Stimmung zu Konzertbeginn etwas zu kompensieren.
Dementsprechend schleppend begann das Konzert. Die Fans waren diesen Umständen entsprechend dennoch gut drauf und hielten sich auch bereits vor Konzertbeginn mit La-Ola-Wellen fit. Und nachdem Dave Gahan das Mannheimer Publikum mit den Worten „Good evening Stuttgart“ tags zuvor verärgerte, lag er heute auch richtig. Nun ja, im Alter passiert schon mal so was…

Es folgte „Wrong“, und prompt stieg die Stimmung im Saal und auf der Bühne enorm. Der song kommt live noch dynamischer und wuchtiger rüber als im Studio. Das Potential dieses songs zeigt sich hier noch mehr als ohnehin schon bekannt. Nach dem gut perfomten „Hole to Feed“ war auch erstmal Schluß mit den songs des neuen Albums und mit Ausnahme von „Miles away“ taten DM den Fans den grossen Gefallen und verschonten sie von Langweilern wie „Peace“ oder „Jezebel“ das gesamte weitere Konzert über ebenso wie von Stimmungskillern aus dem „Exciter“ - Album. Mit Ausnahme von „Precious“ wurden aber nicht nur die songs der letzten Alben komplett aus dem Programm verbannt, zum Leidwesen vieler enttäuschter Fans wurden auch wieder die Klassiker aus den Jahren 1980 – 1985 komplett verweigert. „People are People“, „Everything counts“, „Shake the Disease“, „Just can’t get enough“ oder „Master and Servant“ kamen also allesamt nicht zum Zug.

Stattdessen spielten Depeche Mode mehr oder weniger ihren Stiefel wie bei jeder Tour runter. Man hat den Eindruck, die Jungs können oder wollen ihr Programm von Tour zu Tour nicht mehr grossartig ändern. „Walking in my Shoes“, „Behind the Wheel“, „Policy of Truth“, „A Question of Time” usw. Doch das alles sind die Fans schon seit 1993 gewohnt. Wäre es denn zu viel verlangt, auf die sinnlosen langen Zwischenbreaks bei “Enjoy the Silence” oder “Never let me down again” zu verzichten und stattdessen zwei Überraschungen oder mal wieder “People are People” zu präsentieren ? Diese gab es freilich mit „Dressed in Black“ und „Sister of Night“ im Rahmen von Martin Gores Solo-Party als einzigste Ausnahmen schon – aber das war auch schon alles und nicht mehr als ein Trostpreis.
Ansonsten grüsste täglich das Murmeltier. Dave Gahan markierte zu „Enjoy the Silence“ lieber den
Karaoke-Clown fürs Publikum anstatt selbst mal nur einen einzigsten Refrain zu singen und die Waving Hands der Fans bei „Never let me down again“ kündigten sich diesmal bereits schon zu Beginn des songs an. Alles leider viel zu durchschaubar, absehbar und gewohnt ! Freilich schmeckt dem Publikum trotzdem das Schnitzel, auch wenn Mutti es jeden Tag serviert… und da man aber auch noch irgendwie froh ist, dass Mutti überhaupt noch lebt, und die Kinder verköstigen kann.
sagt man ein stilles „Danke“ und wird satt. Zum Ausruf „Mmmmh… das schmeckt aber !“ kann man sich aber nicht wirklich (mehr) durchringen.
Als Zugaben gab es noch „Personal Jesus“, „Behind the Wheel“ und „Stripped“.
Nicht wenigen Devotees (Fans) feierten ihre Götter natürlich dennoch. Sie deshalb als „anspruchslos“ zu titulieren, wäre sicher nicht gerecht. Immerhin zahlen 17.000 Leute an einem Abend 121 Euro, um dabei zuzusehen, wie Britney Spears die Lippen zum Vollplayback bewegt. Und das könnten sich Depeche Mode mit ihren Fans sicher nicht leisten. Oder ?
Depeche Mode spalten 2009 ihre Fangemeinde in jenen, die jeglichste kleinste Kritik an der Band am liebsten durch ihre rosarote DM-Brille mit der Todesstrafe ahnden würden und den Dauernörglern, die bisher sowieso alles in den Dreck gezogen haben und sowieso noch nie zufrieden waren, gleichwohl jeden Tonträger besitzen und zu jedem Konzert kommen.
Die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen…
Es bleibt 2009 die Erkenntnis eines Nummer-Eins-Albums und vollen bis ausverkauften Konzertsälen. Warum also sollen Depeche Mode etwas ändern ? Götter haben es manchmal doch leicht…
Bericht : DJ Jolly für Stuttgart Schwarz
(www.myspace.com/_djjolly)
Kommentare
Beste Konzertkritik!
Genau so hat es sich angefühlt!
Danke für die passenden Worte!
Leider muss ich Jolly recht
Leider muss ich Jolly recht geben.
DeMo an sich - gigantisch!
Die Show und die Liedauswahl gleichte aber eher einem Seniorentanztee denn früheren DeMo-Konzerten.
War Dave stimmlich eigentlich auf der Höhe? Ich hatte nicht den Eindruck (zumindest im Verlauf des Konzertes..).
Trotzdem: NIE wieder DeMo. Das lohnt sich einfach nicht (mehr).