Mono Inc. und Lord of the Lost in der Röhre (17.4.2011)

"Viva Hades", so heisst das aktuelle Album von Mono Inc. und die gleichnamige Tour, bei der sie auch in Stuttgart eine Station einlegten. Unterstützt wurden sie dabei von der Hamburger Band "Lord of the Lost", die bereits eine Viertelstunde vor offiziellen Beginn die Bühne betreten und gleich richtig loslegten. Musikalisch und von den Texten her sind sich Lord of the Lost und Mono Inc. "nahe", würd ich mal sagen.

Bei der Bandbesetzung fällt auf, dass auch hier eine Frau eine Drums bearbeitet. Die Stimme von Sänger Chris Harms, der mit durchlöcherten Lack-Jeans und zerfetztem Oberteil im "Crow-Look" das Mikro schwingt, unterscheidet sich dann aber doch deutlich: Mal ganz ruhig und tief, mal kreischend aggresiv verleiht sie den verschiedenen Stücken enorme Ausdruckskraft. Auch seine Bühnenperformance ist großartig!

Nach einigen Stücken entledigt sich der Frontmann dann seines Pullis und präsentiert den reichlich tätowierten Oberkörper. Unterstützt von ausgesprochen gutem Bühnenlicht(!), gewinnt der Auftritt nochmals an Intesität. Insgesamt wirkt der Auftritt sehr stimmig und passt perfekt zu den gespielten Stücken. Das vorwiegend schwarze Publikum ist ebenfalls begeistert, vereinzelte "Zugabe"-Rufe werden jedoch ignoriert. Ob sie zu verhalten waren, oder ob eine Zugabe der Vorband sowieso nicht eingeplant war, kann ich nicht sagen, aber "zugabewürdig" fand ich den Auftritt alle mal! Hörempfehlung, für die, die Band noch nicht kennen: "Prison" vom aktuellen Album Antagony.

Die Stimmung unter dem vorwiegend schwarzen Publikum ist demnach bestens, als nach kurzer Umbaupause ein langanhaltendes Bassgewitter die Hosenbeine Flattern läßt und den Auftritt von Mono Inc. ankündigt.
In historischer Uniform, die an Napoleon's Zeiten erinnert, betritt "Captain Engler" die Bühne und startet das Konzert mit dem Titel "Admiration Hill" vom neuen Album.

Vom ersten Song an, gibt sich die Band sehr publikumsnah: Martin Engler steigt mehrmals auf die Bühnenabsperrung und schüttelt die Hände der Zuschauer in den ersten Reihen. Dazu gibt es eine Umarmung hier, ein Bussi da - die Fans sind glücklich. Die Band ist es auch, sei es wegen der ausverkauften Halle, oder wegen der guten Stimmung im Publikum. Wenn ich an den Auftritt im Club Zentral vor gut einem Jahr zurückdenke, bei dem die Band auf einer deutlich kleineren Bühne im Schummerlicht kaum erkennbar war, ist das heute und hier etwas ganz anderes! Mit brachialem Sound (leider ist die Akkustik in der Röhre nicht so berauschend...), sauberer Lichtshow und sogar ein wenig Pyrotechnik wirkt alles sehr professionell.
Natürlich werden einige neue Stücke gespielt, aber zum Glück kommen auch die alten Kracher nicht zu kurz.
In der Mitte des Konzerts wird es etwas ruhiger: Martin Engler sitzt auf einem Hocker am Bühnenrand und spielt eine Akkustikeinlage, zu deren Einleitung er etwas ausholt und einige Worte über die Bedeutung des Tour- und Albumtitels "Viva Hades" verliert, der in der Veröffentlichungswoche durch die Katastrophe in Japan erschreckende Aktualität erhielt. In einigen Sätzen spielt er auf weitere Misstände in der Welt an, die er mit einem "Erwachen der Hölle" in Verbindung bringt.
Es folgt eine kleine Geschichte über die Künstler-Strasse in der er jetzt wohnt. In deren Verlauf auch der Name des Grafen fällt. Sofort ertönen "Buh"-Rufe aus dem Publikum, die jedoch schnell verstummen, als sich die Band klar zu ihm bekennt und betont, dass Unheilig ihren Erfolg verdient haben und der Graf nach wie vor ein sympathischer Mensch ist. (Man muss wissen, dass Mono Inc. zusammen mit Unheilig auf Tour waren, was ihrem Bekanntheitsgrad sicher nicht geschadet hat...)
Was jetzt passiert, ist bemerkenswert: Die Buh-Rufe wandeln sich in Beifall! Entweder, die Anhängerschaft des Grafen in der Szene ist nach wie vor groß, oder aber Martin Engler hat in wenigen Sekunden demonstriert, wie einfach es ist, die Masse zu lenken, wenn sie nur "hörig genug" ist ... selbst wenn sie aus lauter "schwarzer Individualisten" besteht... Erschreckend eigentlich!
Nunja ... Kommen wir zum fröhlicheren Teil der Solo-Einlage: Bevor dann Katha Mia mit der Digicam übers Publikum schwenkt und eine Szene für eine weitere Folge des Tour-TVs dreht, mit dem die Band jedes Konzert der Tour dokumentiert, werden die Zuhörer mit dem alten Iggy Pop Song "The Passenger" zum Mitsingen animiert.
Im weiteren Verlauf des Konzerts bekommt  auch Katha Mia, die Drummerin, ihre Solo-Einlage: Mit einer einzigen Trommel und einer gehörigen Portion Frauenpower heizt sie das Publikum weiter an, das jede Trommelsequenz mit einem gemeinsamen Schrei abschliesst.

"Sing to me! All you voices of doom, come on: Sing to me!..."
Hunderte von Stimmen aus dem Publikum leisten der Aufforderung folge und begleiten die Band bei ihrem letzten Stück "Voices of Doom".
Bei tosendem Beifall und sofort einsetzenden "Zugabe"-Rufen, lassen sich die vier nicht lange bitten und sind schnell wieder auf der Bühne. Noch zwei weitere Male fordern die Zuhörer eine Zugabe, bis sie dann mit dem wirklich letzten Stück "Get some Sleep" nach Hause geschickt werden.
Alles in Allem ein sehr gelungenes Konzert, wie ich fand. Besonders positiv fiel mir auf, dass nicht nur die Setlist abgearbeitet wurde, sondern auch genug Zeit für Interaktion mit dem Publikum war, die Akkustikeinlage empfand ich als Highlight.
Im Herbst sind einige Zusatzkonzerte angekündigt, weil es wohl doch öfters vorkam, dass eine Spielstätte ausverkauft war. Womöglich wird man Mono Inc. so "familiär" wie in der Röhre nicht mehr erleben - was ich schade finde, wenngleich ich Ihnen den Erfolg gönne.


Setlist:
Admiration Hill
Forgiven
My Sick Mind TV
A Love that never Dies
Comedown
Gothic Queen
Viva Hades
Avalon
Akkustikeinlage
Sleeping my Day away
If I fail
This is the Day
Temple of the Torn
Revenge
Voives of Doom

--- Zugabe ---
Symphonie of Pain
In my Heart
Get some Sleep


Bericht und Bilder
Michael (www.ganz-in-schwarz.de)
 

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