Obwohl ich - gefragt nach meiner Lieblingsband - seit eh und je ohne Nachzudenken "Depeche Mode" angebe, gibt es fünf Gründe, warum ich ein Konzert der PET SHOP BOYS vergleichsweise vorziehen würde :
1.) Man kann die PSB auch zur fündten Tour besuchen und erlebt immer wieder Überraschungen und eine neuse sensationelle Show.
2.) Das setlist steckt immer voller Überraschungen, dennoch sind alle Hits dabei und es wird der Bogen von ganz alten Klassikern bis hin zu aktuellen songs gut durchmischt gespannt.
3.) Die songs werden nicht unnötig durch lange Intros und Zwischeneinlagen in die Länge gezogem, die Hitfabrik läuft Schlag auf Schlag
4.) Sänger Neil Tennant zieht es vor, die songs selbst zu singen, anstatt minutenlang den Animateur und Karaoke-Clown für das Publikum zu spielen.
5.) Es wird zu keinem Zeitpunkt langweilig und man bekommt viel mehr geboten für weniger Geld.

Am 14.06. war es endlich mal wieder soweit und Neil Tennant und Chris Lowe spielten wieder in Stuttgart, erstmals im seit Wochen restlos ausverkauften Theaterhaus. Es war das erste Konzert dieser Tour in Deutschland ! Sowohl die single "Love etc.", als auch das neue Album "Yes" haben just die Top 10 der deutschen Charts erklommen. Somit scheinen die Pet Shop Boys neben Depeche Mode die einzigste Popband der 80er zu sein, die dieses Kunststück nahezu ununterbrochen damals wie heute schaffen !
Wer sie kennt weiss ungefähr was einem erwartet : Viel Glamour, viel Show, Tänzer, aufwändige Videoshow,laufend wechselnde Kostüme und Requisiten... Doch das Konzert dieser Tour stellte - um das vorweg zu nehmen - absolut alles in den Schatten, was Tennant und Lowe bisher auf Tourneen auf die Beine gestellt haben !
Um 20:00 Uhr gab es erstmal die Vorband "Das gezeichnete Ich", welche mit anspruchsvollem Deutschpop am Puls der Zeit mit Ich & Ich, Wir sind Helden usw. liegen dürften. Bemerkenswert war die aufwändige Instrumentierung der fünfköpfigen Band mit Cello, Violine, Gitarre, Klavier und Schlagzeug.
So heimste der sympathische support bemerkenswert viel Ap
plaus ein.
Dann erfolgte der Bühnenumbau und auf die Bühne wurden von mehreren als Wissenschaftler verkleidete stage hands 50 weisse Videowürfel in einer Grösse von etwa 1 x 1 x 1 Meter aufgebaut, welche am Ende zwei Mauern glichen.
Um 21:15 Uhr war es dann soweit. Unter dem Jubel der Fans traten zwei Kostümierte auf die Bühne, welche einen grünen und einen gelben Würfel auf dem Kopf trugen. Erster Überraschungseffekt des Abends : Es waren gar nicht Neil und Chris, diese erschienen kurz darauf und durchbrachen die Würfelmauer in der Mitte - ebenfalls mit Würfeln über den Köpfen. Zweite Überraschung : Die Pet Shop Boys starteten das Konzert mit "Heart", dem Nummer-Eins Hit aus dem Jahre 1987.
Die Stimmung im ausverkauften Theaterhaus war phantastisch, bereits vor dem Auftritt gab es immer wieder rhythmisches Klatschen und Johlen.
Chris Lowe klemmte sich hinter seine Maschinen und wirkte in seinem weiss gekachelten Aufbau wie in einer Badewanne, während Neil Tennant mit "Did you see me coming ?" aus dem aktuellen Album "Yes"das Konzert fortsetzte und lauthals "Good evening , Stuttgart" die schwäbischen Fans begrüsste. Dann ging es Schlag auf Schlag : "Can you forgive her ?", "Love etc.", "Love comes quickly", "Left to my own devices", "Always on my Mind" usw. Kaum ein Hit wurde ausgelassen an diesem Abend und dazwischen wurden ab und an neues Material präsentiert.
Alle zwei bis drei songs wechselte Neil seine extravaganten Kostüme, erschien mal als Cowboy, mal als Gentleman typisch britisch mit Melone und Mantel, mal im Smoking mit Fliege, mal als König.
Dann rumsten die beiden Mauern und krachten schliesslich im Strobelicht zusammen. Tänzerinnen und Tänzer erschienen und performten zu Hits wie "Do I have to" oder "Suburbia". Das setlist überraschte desweiteren einmal mehr durch songs wie "Two divided by Zero" oder "Why can't we live together", beides aus dem 1986-Debut-Album "Please".
Dem Intro von "Paninaro", welches von Chris Lowe auf einer kleinen Pauke inszeniert wurde, folgte dann - und wieder überraschend - der Übergang zu "Go West" und verwandelte das Theaterhaus in ein Tollhaus !
Auf der Bühne war ständig Bewegung, die "Wissenschaftler" formten immer wieder die weissen Würfel um, und Tänzer sowie die Pet Shop Boys wechselten nach Lust und Laune die Garderobe. Der ganze Abend lebte von Spannungen und Überraschungen - und der Wahnsinnsstimmung !
Nach einer ruhigen Runde mit Balladen wie "Jelousy" und - wieder eine Überraschung - "King's Cross" aus dem Album "actually" stieg dann das fulminante Finale mit Pauken und Trompeten : Zunächst gabe es noch "Se a vida é" im medley mit "Diskotheka" . Das letzte Stück des regulären Programms hiess "It's a Sin" und zu einem spektakulären Finale wurden im Strobogewitter und zu Paukenschlägen am Ende des songs zwei Kanonen abgefeuert und das Theterhaus ertrank im Glitzerregen. Wahnsinn ! Gänsehaut ! Einfach irre !!!

"Vielen Dank, Stuttgart. Phantastic audience ! Stuttgart we love you" - mit diesen Worten verabschiedeten sich die Boys vorerst um kurz darauf noch mit "Being Boring" und zu guter Letzt "West End Girls" noch einen drauf zu setzen.
Ganz gentleman stellte Neil Tennant nochmals alle Tänzerinnen und Tänzer vor, sowie seinen Partner Chris Lowe.
Ein Wahnsinnsabend, den man sicher nicht so leicht vergisst ! Und so hörte man auf dem Heimweg nur noch Superlative aus den Mündern begeisterter Fans.
Kaum vorstellbar, dass die Pet Shop Boys solch eine Show jemals nochmal toppen können ! Aber das habe ich bei den vier Tourneen zuvor auf schon gesagt...
Bericht & Fotos: DJ Jolly

Kommentare
Klang
Muss meinen Vorschreibern Recht geben. Klasse Show, gute Songauswahl aber die Mischung des Sounds war schlecht und vie zu leise. Bezeichnend: Als ich kurz zu meinem Nebenmann etwas sagte, wurde ich von dem Kerl hinter mir gebeten, doch bitte wieder ruhig zu sein. Ja sind wir denn in der Oper?
Das es nicht grundsätzlich an Neils Stimme liegt, zeigt die letzte Tour. Da waren sie in der Liederhalle und da habe ich den Sound in bester Erinnerung.
Zu leise
Ich würde nicht mal sagen, dass es zu leise war. Prinzipiell war ich sogar froh die Ohrenstöpsel nicht nutzen zu müssen, die ich dabei hatte. Aber die Mischung hat definitiv nicht gestimmt. Vielleicht liegt es auch prinzipiell an Neils Stimme. Kräftig kann man sie definitiv nicht bezeichnen und eine eher gehauchte Stimme so viel Schmackes zu geben würde eventuell in bösen Rückkopplungen enden. Allerdings denke ich, dass eine so (erfolg)reiche Band es schon schaffen müsste einen ordentlichen Sound hinzubekommen.
Stimmt....
Wir standen in der dritten Reihe vorne. Freilich hast Du in diesem Punkt recht, das Konzert war viel zu leise !
Dies habe ich bisher nur einmal (Kraftwerk 1991) erlebt.
Gruss
JOLLY
PSB in Stuggi
Hier mein Kommentar aus der Stuttgarter Zeitung online, die haben nämlich um Zuschauerkommentare gebeten!
Ich habe so gehofft, daß mich ein SWR1-Team nach der Show interviewt, um meinen Frust zum Ausdruck zu bringen - aber das war leider nicht der Fall. Also, es gibt Acts, die schaut man sich nur einmal im Leben an, und dazu gehören die PSB! 97 Min. waren viel zu kurz und der Schwerpunkt der Show lag eindeutig auf dem Visuellen, nicht der Musik! Der Sound war mehr als miserabel, Neils Vocals waren viel zu leise, die Lyrics konnte man gar nicht verstehen UND m.E. waren nur die Hits live gesungen, der Rest war m.E. Vollplayback trotz in-ear-monitoring von Neil. Nein, nein, da gibt es andere 80er-Bands, die das viel besser und vor allem live hinbekommen: Duran Duran, Depeche Mode, David Bowie ...
Akkustik
Würde mich interessieren, wo der Rezensent stand, ich im hinteren Drittel in der Mitte fand den Sound unter aller Sau. Neil konnte man so gut wie gar nicht verstehen, nur bei ruhigen Songs drang seine Stimme durch. Die Show war natürlich super.