[:SITD:] Rockfabrik Ludwigsburg (25.11.09)

Mit Clubhits wie "Snuff Machinery", "Richtfest" oder "Stammheim" haben sich [:SITD:] zum nicht mehr wegzudenkenden Reportoir der DJs der Republik längst etabliert. Im Rahmen Ihrer "Rot"-Tour bewiessen die drei Industriellen bei ihrem Gastspiel in der Rockfabrik Ludwigsburg, dass auch heute noch im Ruhrgebiet harte Arbeit an Machinen sich auszahlt : Rechtzeitig vor dem Gig in Ludwigsburg erklommen Tom, Francessco und Sänger Carsten mit ihrem neuen Album "Rot" den Sonnenplatz in den Deutschen Alternative Charts. Umso verwunderlicher, dass der beschauliche Club II der Rockfabik an jenem Abend gerade mal zur Hälfte gefüllt war. Noch mehr wenn man bedenkt, dass zudem mit "Reaper" und "Suono" noch zwei interessante supports angeboten wurden.

Der Auftritt von Reaper entfiel jedoch sehr kurzfristig, da Frozen-Plasma-Mastermind Vasi erkrankte. Eine offizielle Absage erreichte den Veranstalter bis kurz vor Konzertbeginn jedoch nicht. Vor ihrem Zugabeblock entschuldigten [:SITD:] persönlich jedoch den support bei den Fans.

Nicht ganz glücklich über diesen Umstand zeigten sich ebenfalls "Suono" als Lokalsupport, welcher langsam aber sicher auch überregional immer mehr Beliebtheit erfährt. Kurzfristig verlängerten "Suono" ihren Auftritt in Ludwigsburg. "Im Nachhinein war es keine glückliche Entscheidung. Dadurch, dass wir einige songs zusätzlich ins Programm einbauten, die wir eher nicht für typische Liveacts halten, flachte die Stimmung nach hinten raus ab", bekannte Suono-Frontmann Ron etwas betreten. Auch wären den sympatischen Lokalhelden etwas mehr Unterstützung durch ihre eigenen Fans gegönnt gewesen. "Aber aus solchen Sachen lernt man einfach auch", fügte Bela hinzu.
 
Der Auftritt von [:SITD:] startete mit dem Intro "The Insanity of Normality" vom neuen Album. Dann legten die drei ordentlich los und Sänger Carsten war vom ersten song an in guter Stiimmung und versuchte die etwas müden Schwaben in Partylaune zu bringen, animierte immer wieder zum Mitklatschen und Mitmachen. Konzentriert bedienten Tom und Francesco die Maschinen. Erst nach und nach lockerte sich aber die Stimmung bei Band und Publikum, erstmals beim Clubhit "Stammheim". Das gewaltige Potenzial des neuen Albums wird live besonders deutlich. Besonders songs wie "Rot" oder "Pharmakon" zünden mit ihren voluminösen, synthetischen sounds ohne Anlauf ordentlich ! Carsten verzichtete allerdings live auf jede Verzerrung seines Gesanges, was einerseits - sofern man die Studioversionen gewohnt ist - recht gewöhnungsbedürftig, andererseits aber schlicht ehrlich erscheint !
 
Für einige songs gönnt sich der nimmermüde Frontmann eine Pause und Keyboarder Tom übernimmt - wie auch im Studio - den Part am Mikro. Ähnlich wie Martin Gore von Depeche Mode ist Tom mit seiner eher gefühlsvollen Stimme für die melodischen Nummern zuständig, so dass sowohl Album als auch ein Auftritt von [:SITD:] eine schöne Abwechslung bieten.
Gegen Ende des Gigs ist nun endlich die Stimmung voll da. Carsten turnt auf den Boxen, Tom und Francessco wirken beweglicher und lockerer und auch im Publikum ist nun ordentlich Bewegung drin - Zeit für "Snuff Machinery". Ein krönender Vorläufiger Abschluss des Gigs. Das Publikum fordert - leider zunächst nur sehr verhalten, erst mit der Zeit massiver - Zugaben - und die haben es mit "Herbsterwachen" und "Richtfest" noch einmal in sich ! DAS IST ES !
 
[:SITD:] haben bewiesen, warum sie in diesen Tagen ganz oben stehen und Weggefährten wie "In Strict Confidence" oder ":Wumpscut:" inzwischen hinter sich gelassen haben. "Rot" ist vielleicht das bisher beste Album der Band und Sänger Casi erklärt uns nicht ohne Stolz, am Artwork viel Mühe und Aufwand investert zu haben. So stimmen einfach auch Verpackung und Inhalt - was man leider nicht bei jeder Band behaupten kann. Trotz der geringen Publikumszahlen zeigt sich der Sänger zufrieden : "Die Leute waren doch sehr gut drauf und daher hat es mir auch heute sehr viel Spaß bereitet", und Tom erläutert, dass die Publikumszahlen bei dieser Tour doch recht schwankend seien : "ich kann es mir nicht genau erklären. In Bochum waren es über 400 Leute und hier nun sowas". Allerdings widerspricht auch niemandem Sänger Casi, der hinzufügt, dass "diese Region eben schon auch ein schwieriges Pflaster" sei.
Und damit hat er leider nicht unrecht, liebe Schwaben !
 
 
 
Bericht & Fotos : DJ JOLLY (www.myspace.com/_djjolly) für Stuttgart Schwarz

 

gothmedia
Stuttgart-Schwarz 5.9
Organisation: DJ Dave
© 2000-2010 Gothmedia