Saltatio Mortis - In Castellis (Calwer Klostersommer 2017)

Über Saltatio Mortis muss an und für sich nichts mehr gesagt oder geschrieben werden. Die Erfolgsgeschichte der Mittelaltercombo klingt wie im Märchen : Aufgestiegen von den einstigen kleinen Spielleuten auf Mittelaltermärkten bis zuletzt zwei Nummer Eins Alben in den deutschen Verkaufscharts ("Das schwarze Einmaleins" und "Zirkus Zeitgeist").

Siebzehn Jahre nach der Bandgründung und zehn Studienalben später riefen die Spielleute nun "In Castellis" ins Leben : Deutschlandweit nur fünf ausgewählte Open Airs in fünf speziell dafür ausgewählten Locations. Hierbei entschied man sich auch für die historischen Klostermauern in Calw-Hirsau, ein einzigartiges Ambiente welches nicht besser hätte gewählt werden können.

Denn mit "In Castellis" kehrten Saltatio Mortis wieder ganz zurück zu ihren Wurzeln und präsentierten nebst ihren großen Hymnen wie "Wo sind die Clowns" und "Prometheus" rein akustische sets, welche aus klassischen mittelalterlichen Liedern bestand.

Um 19:45 Uhr war aber zunächst die Zeit für "Versengold", welche ihren Status des "Geheimtip" in der Mittelalter-Szene längst verlassen haben und dem Publikum an jenem Abend bereits längst bestens vertraut war. Das letzte Album "Zeitlos" stürmte immerhin bis auf Platz 22 der deutschen Media Control Charts. So war es nicht verwunderlich, dass die Stimmung und Freude von Beginn an schon beim support bestens war und die Spielleute von "Versengold" von den Fans frenetisch gefeiert wurden. Die Bremer um Frontmann und Sänger Malte Hoyer hinterliessen im Nordschwarzwald eine beeindruckende Visitenkarte und überzeugten durch große Spielfreude und Witz.

Um 21:15 Uhr und mit Einbruch der Dunkelheit dann starteten SaMo (wie Saltatio Mortis von den Insidern genannt werden) - passend zum Konzept von "In Castellis" - mit "Früher war alles besser" durch.

Die Zinnen, Türme, Mauern und Torbögen der historischen Klosteranlagen tauchten in roter und gelber Illumination als zu "Prometheus" dann die Feuer auf der Bühne entzündet wurden und riesige Feuerfontänen im Refrain in den Calwer Nachthimmel bei optimalen Festivalbedingungen in dieser lauen Sommernacht schleuderten und verpufften.

Die Fans, welche siche bereits schon in der Umbaupause stimmgewaltig die Melodie von "Spielmannsschwur", sowie den Schlachtruf "Saltato ? Moooortiiiiis !" eingestimmt haben, liefen nun auch zur Hochform auf.

Das unermüdliche Energiebündel "Alea der Bescheidene" animierte die Fans zum Mitklatschen, kollektivem Mithüpfen und Mitsingen, so dass es nun ohne Pause und Schlag auf Schlag ging. "Wo sind die Clowns", Willkommen in der Weihnachtszeit", "Wachstum über alles" usw. Saltatio Mortis badeten in den Chören des Wiederhalls ihrer eigenen songs.

Nur eine kurze Verschnaufpause bei "Maria" war den Fans gegönnt, bevor die Gangart wieder härter wurde.

Dann folgte aber das erste klassiche set aus 4-5 songs, welches große Begeisterung fand und Alea erinnerte die Fans nochmals daran, dass man "genau so" und als ganz kleine Spielleute früher mal angefangen hatte.

"Lästerbalk der Lästerliche" machte seinem Namen mit seinen zynischen und bissigen Bemerkungen über die Bandkollegen alle Ehre und hatte freilich wieder die Schenkelklopfer auf seiner Seite. Für einen song stand er gemeinsam mit "Falk Irmenfried von Hasen-Mümmelstein" im Mittelpunkt und Falk übernahm den Gesang eines französischen mittelalterlichen Klassikers.

Gemeinsam mit "Versengold" (die beiden Bands verbindet eine langjährige Freundschaft) wurde dann der "Sandmann" beschworen.

"Eulenspiegel" präsentierte sich gewohnt in langer und ausladender Version, in welcher sich nicht nur Fans und Band ein Gesangsduell lieferten, sondern auch "Luzi das L." und "Bruder Frank".

Nach gut 1 1/2 Stunden Rock und "In Castellis" verabschiedeten sich die Badener überglicklich erstmals von den Fans. Die Calwer forderten mit den lautstarken Chorgesängen von "Spielmannsschwur" die Band nochmals auf die Bühne und am Ende kam genau jener song und nochmals gemeinsam mit "Versengold" zum Einsatz.

Minutenlang sangen die Fans diesen Chor noch nach Ende des Konzerts weiter und ließen die beiden Bands nicht mehr von der Bühne.

Spätestens jetzt wird klar, warum SaMo inzwischen mit den ganz großen Namen wie "In Extremo" oder "Subway to Sally" in derselben Liga spielen und was die Karlsruher von anderen Mittelalterbands unterscheidet. Diese sind zwar auch gut, doch Saltatio haben das Talent, wahre Hymnen au schaffen !

Etwa zwanzig Minuten nach dem Konzert taucht die Band, ausgestattet mit Dudelsäcken, plötzlich auf der Tribüne auf und spielten für die verbliebenen etwa 300-400 Fans noch ein kleines privates "Zusatzkonzert" zur Geisterstunde, gaben geduldig Autogramme, standen Rede und Antwort und erfreuten die Fans mit selfies.

Alea und die Band sind bis heute die bescheidenen, sympatischen und bodenständigen Stars zum Anfassen geblieben.

Besonders verblüffte ein weiblicher Fan Alea, als sie ein gemeinsames Foto mit ihm wollte und ihr Alter nannte : Die rüstige Dame outete sich als Fan mit 83 Jahren !

 

Bericht : Jolly von Hayde

Fotos : Fabienne von Hayde

 

Danke an Kai Petschulak für die gute Zusammenarbeit

 

 

 

 

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