Konzertbericht : Peter Heppner (25.11.17, Waschhaus Potsdam)

Als Petere Heppner 1987 mit "Wolfsheim" seine Karriere startete, befanden sich die brandenburger  Besucher am 26.11.17 im Potsdamer "Waschhaus" noch hinter dem "eisernen Vorhang". Doch schon fünf Jahre später feierten sie zu "The Sparrows and the Nightingales" auf den Tanzflächen den Hamburger gemeinsam mit Freunden aus dem Westen. Jener song, welchen der "Zillo Mystic Sound Sampler" (damals das Non-Plus-Ultra und das Tor in die Gehörgänge der Clubs und der Szene) in die Herzen der zukünftigen Fans katapultierte und - auch nach der Trennung von Markus Reinhardt und somit die Auflösung von "Wolfsheim" - Heppner zur heutigen Lichtgestalt der Dark Wave Szene (und weit darüber hinaus) erkor.
Für unspektakuläre und eher schlichte shows war Heppner schon zu "Wolfsheim"-Zeiten bekannt. Daran änderte sich auch nichts an jedem verregneten Novemberabend in der brandenburger Landeshauptstadt.
Das fast ausverkaufte Waschhaus erwartete eine schlichte Bühne, eine show ohne Effekte und Einlagen und dennoch einen tollen Abend mit der Stimme, welche die Herzen berührt.
Zugegeben - die Rampensau und den Animateur würde man dem introvertieren 50-jährigen mit den plakativen Texten doch auch nicht abkaufen.
Nach der Vorgruppe "The Knives" begann Heppner kurz nach 21 Uhr mit "I won't give up" das Abschlusskonzert seiner Tour zum 30-jährigen Jubiläum. Dann aber folgten die Hits reihenweise : "Alleinesein", "Künstliche Welten", "Meine Welt".
Sichtlich berührt genoß Heppner den lang anhaltenden und tosenden Applaus nach "Once in a Lifetime".
Dann kündigte Heppner als Gast "Marcus Meyn" (Foto links), Frontmann und Sänger von "Camouflage" an. "That smiling Face" (aus der Feder der Bietigheimer Synthiepopper) avanchierte zum vorläufigen highlight des Abends, bevor Heppner & Meyn ihr Duett "Count on me" zum Besten gaben.
"Ich mache nun etwas, dass ich sonst nie mache. Ich rede mehr als drei Worte. Und das auch noch auf der Bühne", witzelte Heppner danach und schob den Grund dafür hinterher : "Wir machen eine kleine Umbaupause, die ich überbrücken muss".
Es folgte ein Akkustik-Set mit drei Wolfsheim-Songs ("And I...", "Care for you", "Heroin,she said"), bevor Heppner mit Kim Sanders seine zweite Gastmusikerin ankündigte. Mit "Mr. Vain" hatte die ehemalige Sängerin von "Culture Beat" und "Captain Hollywood Project" nicht mehr viel am Hut. dafür sang Heppner mit der US-Amerikanerin drei getragene songs im Duett.
Nicht ohne sich dabei zwei Zigaretten anzustecken : "Ihr dürft das natürlich nicht. Ich auch nicht, aber ich muss es tun, wegen der Atmosphäre."
So schön das Akustik-Set und die darauffolgende songs mit Sanders auch anzuhören waren - der zuvor begeisterten Stimmung tat dies freilich einen Abbruch und war evtl. doch etwas des Guten zu viel.
Das entging auch Peter Heppner nicht und fast schon entschuldigend merkte er an, dass es nun wieder "etwas flotter" werden wird.
Und tatsächlich kamen nun wieder die songs, die das Publikum auch hören wollte : "Dream of you", "Wir sind wir", "The Sparrows and the Nightingales".
Einem Peter Heppner sieht man hier und da leichte Intonationsprobleme beim Live-Gesang ebenso nach wie der verpatzte Einsatz - ausgerechnet - im Zwischenteil von "Sparrows", da seine gnadenlos geniale Stimme einfach über allem steht.
Zum Finale "Kein zurück" kamen dann auch nochmals Meyn und Sanders auf die Bühne und zelebrierten den grössten Erfolg des Musikers als gemeinsames Trio.
Im zweiten Zugabeteil griff Drumer Achim Färber zum Glockenspiel und mit  "Annie" erfolgte eines der schönsten Wolfsheim-Songs überhaupt.
Freilich ohne Joachim Witt folgte zu guter Letzt dann noch "Die Flut", welches ohne den NDW-Altstar doch sehr an Atmosphäre einbüßte.
Zur letzten Zugabe ließ sich Heppner lange bitten und als sich der Saal schon zu 1/3 geleert hatte, kam er doch nochmal auf die Bühne. "Der letzte Song ist nicht von mir. Aber er ist trotzdem gut", kündigte er zum Abschluß an, bevor nach "Ich weiss nicht zu wem ich gehöre" (im Original von Marlene Dietrich) das Saallicht im Waschhaus erstrahlte.  
Fazit : Ein etwas zu lange gezogener ruhiger Mittelteil und bei der Jubiläums-Tour hätte man sich mehr Highlights von Wolfsheim ("A new starsystem has been explored" oder "It's hurting for the first time") oder seinen Solo-Alben ("Vorbei", "Das geht vorbei") gewünscht und erwartet.
Dennoch ein sehr unterhaltsames und gutes Konzert, welches den Fans viel Freude bereitete. Danke an 30 Jahre Peter Heppner, in welchen er uns verzaubert hat. Auf die nächsten 30.

 

Bericht & Fotos : Jolly von Hayde für "Stuttgart Schwarz"

 

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