VNV Nation Konzert am 14.10.2018 im Wizemann Stuttgart

Futurepop von VNV Nation begeistert im Wizemann/Stuttgart- Die schwarze Szene im Partyrausch
„Stuttgart, wo wart Ihr die ganze Zeit?“ Ronan Harris, Mastermind von VNV Nation konnte es kaum fassen. Nach fünf Jahren erstmals wieder ein Konzert in Stuttgart, aber diesmal richtig gut besucht. Aus allen Richtungen strömte am Sonntagabend die schwarze Szene ins Stuttgarter Wizemann Areal um VNV Nation auf der frisch gestarteten „Noire“ Tour zu erleben. 

Schon bei der Anfahrt ist der Dresscode eindeutig erkennbar: schwarz in allen Variationen. Das tragen junge, junggebliebene und auch ältere Konzertgänger, die langsam in Richtung Konzerthalle strömen. Die ehemalige Industriehalle im Wizemann fasst  bis zu 1300 Personen, das Konzert ist gut besucht, aber nicht ausverkauft. 

Pünktlich zum Konzertstart um 19 Uhr beginnt die Vorgruppe Holygram. Die 5 Jungs aus Köln erinnern musikalisch entfernt an die jungen The Cure. Der Sänger bewegt sich allerdings schon in einer Minute mehr als Robert Smith in den 80ern an einem ganzen Konzertabend. Trotzdem oder auch deswegen eine solide Leistung mit psychodelischem Touch, die unter dem Label Postpunk/New Wave läuft. Nach 30 Minuten geht Holygram unter kurzem, aber verdientem Beifall von der Bühne. Das übliche Los der Vorgruppe, denn das Warten auf den Hauptakt hat begonnen.

Pünktlich um 20 Uhr hat das Warten ein Ende,  Ronan Harris mit seiner Crew  betritt die Bühne und begrüßt sichtlich erfreut das Stuttgarter Publikum. Und was soll man sagen….Vom Opener  „A Million“ (vom neuen Album „Noire“) an, reißt der kleine, vollschlanke Glatzkopf, der optisch locker auch als Dartspieler durchgehen könnte, das schwarze Volk mit. Statt Coolness gibt es im Wizemann ausgelassene Partystimmung. Doch zuvor klärt Ronan Harris, dass  Handyaufnahmen nur auf Augenhöhe vorzunehmen sind, denn der Hintermann habe ja sein Eintrittsgeld nicht bezahlt, um das Konzert auf dem Handydisplay seines Vordermannes zu sehen. Und bitte keine Blitze, denn das störe die Musiker. Launig, Charmant und in perfektem Deutsch hält Ronan Harris, der irische Wahl-Hamburger seinen Appell und wirklich, der Blick auf die Bühne bleibt weitgehend handyfrei. 

Ronan Harris ist VNV Nation. Er ist Sänger, Songwriter und Produzent. Das Konzept umfasst tanzbare, manchmal fast symphonische alternative elektronische Musik.  Auf der Tour dabei sind noch der neue Drummer und die beiden Keyboarder.  Aber Harris hält alle Fäden in der Hand und beherrscht mit seiner Stimme und Persönlichkeit die Bühne und er genießt es sichtlich. Der pulsierende Sound ist klar, die Bässe tief, die Stimme stark und die Tanz-Beats von Hits wie „When ist the future?“ lassen niemand unbewegt, die Halle tobt und tanzt von Beginn an. Mit seinen thematisch dichten Texten formt er Titel, wie das wunderbar wehmütige „Illusion“ . Hier dürfen die Fans sogleich Gesangsparts übernehmen. Was bei den eher komplexen Texten nicht ganz leicht fällt. Dagegen harte  Elektro-Beats bei „Control“ und das Publikum klatscht im Takt unter der Regie von Harris, die Halle bebt. Ergänzt werden die alten und neuen VNV Nation Hits  von der eindrucksvollen Lichtshow, die Stimmung und Struktur der Songs perfekt untermalt und die Bühne immer wieder in neuen Farben zeigt.

Die Frage „Habt Ihr Spaß?“ erübrigt sich eigentlich, der kollektive Jubel sagt alles. Hitze und schlechte Luft sind Nebensache. Selten sieht man so lockere Interaktion mit dem Publikum und echten Spaß auf der Bühne, wie bei Harris. Wer vorne steht sollte hier mit Zwischenrufen vorsichtig sein (Stichwort: Udo). Klar, dass nach genau 2 Stunden schweißtreibenden Konzerts noch ein Zugabenblock fällig wird, unter anderem mit „Nova“ im Handy-Taschenlampenschein. Mit dem sehr intensiven „All our Sins“ in puristisch monochromen Lichterschein geht ein überaus stimmungsvolles Konzert zu Ende. Alle Hände hoch und bis zum nächsten Mal, Ronan!

Konzertbericht: VNV Nation am So., 14.10.2018 in Stuttgart, Im Wizemann- Von Susanne 

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